Ein Wal und das Ende der Welt

Was macht ein Finanzanalyst aus der Londoner City, der eine gigantische Summe Geld in den Sand gesetzt hat? Er steigt in seinen Sportwagen und fährt so lange, bis die Straße zu Ende ist und das Meer beginnt. Um dann einfach weiterzulaufen, bis ins Wasser.

Genau das tut Joe Haak, die Hauptfigur des Buches – nur ertrinkt er nicht, sondern wird auf mysteriöse Weise von der Bugwelle eines vorbeischwimmenden Wals wieder an Land gespült. Wieder nach St Piran, dem Fischerdorf am Ende der Straße, die aus London herausführt.

Das fiktive Städtchen St Piran ist das cornischste aller Dörfer, benannt nach St Piran, dem Heiligen, dessen Farben bis heute die Flagge Cornwalls zieren. So könnte aus der Geschichte eine Liebesgeschichte à la Rosamunde Pilcher werden, liest sich doch der Anfang schon fast wie ein Märchen.

Stattdessen entwickelt sich die Geschichte aber zum Science-Fiction. Denn Joe hatte für seinen Arbeitgeber ein Computerprogramm entwickelt, um Aktienkurse vorhersagen zu können. Dieses Programm entwickelte er aber mit dem Segen seines Chefs weiter, sodass es außerdem in der Lage war, die Entwicklung von Krisen vorherzusagen. Große Krisen, die die ganze Menschheit auslöschen konnten. Auch im verschlafenen St Piran gibt es Internet, und so kann Joe auf die Datenbank und das Programm zugreifen und sieht, was kommen wird.

Der Autor kombiniert in seiner Geschichte Elemente, die man nur selten gemeinsam in einem Buch findet: malerische cornische Fischerdörfer, Computerprogramme, die das Ende der Welt berechnen, verschrobene Küstenbewohner und die große Weltwirtschaft. Alles passt stimmig zueinander, der Leser folgt Joe bei seinen Entdeckungen und sieht mit ihm das Ende der Welt kommen – nicht als atemlosen Vulkanausbruch oder großen Krieg, wie es in der Regel in Hollywoodblockbustern dargestellt wird, sondern als logische Verkettung von Ereignissen, von denen eines zum anderen führt.

Die Sprache des Buches ist malerisch, erzählt kleine Details, beobachtet Begebenheiten. So ist das Straßenschild zum Dorf irgendwann verrostet. Aber: „Soweit man es erkennen konnte, hatte der Verlust des Straßenschilds keinerlei Auswirkungen für das Dorf. Nur wenigen fiel überhaupt auf, dass es nicht mehr da war. Nur die zähsten Urlauber fuhren je so weit.“

Ein spektakuläres Thema, ganz unspektakulär erzählt, bis zum Schluss, der verblüfft – aber auch hier auf eine ruhige, leise Art.

Fazit: Empfehlenswert für jeden, der etwas Ungewöhnliches lesen möchte. Nichts für klassische Pilcher-Fans und nichts für Liebhaber von Space Operas, aber das Richtige für alle, die sich auf Sci-Fi in Cornwall einlassen möchten.

Ironmonger, John
Fischer, S. Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783103974270
22,00 € (inkl. MwSt.)